Maulwurf und Mensch – Eine Leidensgeschichte

Maulwurf in der Hand eines MenschenDas Verhältnis von Mensch und Maulwurf kann guten Gewissens gespannt genannt werden. Da der Maulwurf durch seine Lebensweise die typischen Hügel auftürmt, ist besonders in Kreisen von geneigten Gärtnern sein Ruf nicht gerade der beste. Immer wieder hört man in Kleingärtnersparten von Flensburg bis Freiburg den Klage: „Da ist schon wieder ein Maulwurfshügel!“

Besonders wenn man sich in diesem Jahr eigentlich einen Nebenverdienst durch die Produktion von Rollrasen versprochen hat, sind die kleinen Erdhaufen ein echtes Ärgernis.

Der Maulwurf – schädlich?

Es muss jedoch gesagt werden: Außer ästhetischen macht der Maulwurf dem Gärtner keinen Schaden. Durch seine tierische Ernährung ist er, anders als bspw. Schnecken, für die angepflanzte Flora keine Bedrohung. Es kann zwar zu kleineren Schädigungen an den Pflanzenwurzeln durch Grabetätigkeit kommen, diese ist jedoch eher selten, da die meisten der Maulwurfsgänge unterhalb der Pflanzenwurzeln verlaufen. Als „Schädling“ im strengen Sinne ist er damit nicht zu betrachten; vielmehr kann er sogar nützlich sein, da er in Zeiten extremen Hungers (Maulwürfe brauchen viel Nahrung) auch an die Erdoberfläche kommt und nach Beute sucht.

Mehrere Maulwurfshügel

Auch die Ernährung des Maulwurfs wurde teilweise als schädlich gedeutet: Aufgrund der hohen Stoffwechselrate muss ein Maulwurf viel Nahrung zu sich nehmen, was ihm den Ruf eingebracht hat, die für nützlich gehaltenen Regenwürmer zu vernichten. Andere betrachteten den großen Hunger des Maulwurfs wiederum positiv, weil ihm so auch die ungeliebten Drahtwürmer zum Opfer fallen.

Historische Zeugnisse

Diese zwiespältige Sichtweise spiegelt sich auch in verschiedenen Werken der populärwissenschaftlichen Zoologie wider. Der Schriftsteller Johann Peter Hebel beschäftigte sich in seinem Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, einer Sammlung von Kalendergeschichten, heißt es über den Maulwurf:

Wenn ihr also den Maulwurf recht fleißig verfolgt, und mit Stumpf und Stiel vertilgen wollt, so thut ihr euch selbst den grösten Schaden und den Engerlingen den grösten Gefallen. Da können sie alsdann ohne Gefahr eure Wiesen und Felder verwüsten, wachsen und gedeihen, und im Frühjahr kommt alsdann der Maykäfer, frißt euch die Bäume kahl wie Besenreis (…)“ (Quelle)

In seiner günstigen Beurteilung des kleinen Erdreichbewohners fand Hebel in Alfred Brehm keinen Fürsprecher. Der Verfasser des überaus populären Brehm's Thierleben stellte fest, dass „der Maulwurf im Verhältnis zu seiner Größe ein wahrhaft furchtbares Raubthier ist.“ (Quelle) Auch wenn schon bald Zweifel an der wissenschaftlichen Akkuratesse der Brehm'schen Beiträge (sein Nachschlagewerk wurde zum Standardwerk und erfuhr bis in die 1920er Jahre viele Auflagen und Erweiterungen) gehegt wurden, scheint sich diese Einschätzung noch hartnäckig zu halten.

Wenn das Zusammenleben nicht klappt

Trotzdem er keinen wirklichen Schaden an Pflanzen anrichtet, kann es gute Gründe geben, der Maulwurf vertreiben zu wollen. Dazu gibt es verschiedene Methoden:

  • durch Lärm
  • durch aufwändige Umbauten des Gartens
  • durch Duftstoffe (insbesondere Buttersäure hilft effektiv)

Diese Vorgehensweisen sind diejenigen, mit welchen Sie sich fest auf dem Boden der Legalität befinden. Andere Methoden, wie Lebend- oder Totfallen, sind in Deutschland verboten!

Rechtliche Situation

In Deutschland regeln insbesondere zwei Gesetze den Umgang mit der heimischen Fauna. Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) regelt im 5. Kapitel den Artenschutz. Dabei spezifiziert der Paragraf 39, dass es verboten ist, „wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten“. Der ästhetisch fragwürdige Zustand des Rasens zählt dabei nicht als vernünftiger Grund.

Im Klartext heißt das, dass Sie keine Fallen aufstellen dürfen, die das Ableben des Maulwurfs zur Folge hat. Da auch Lebendfallen häufig zum Tod führen, sind diese ebenso verboten. Zudem wird ja auch das Fangen ausdrücklich verboten. Das Bundesnaturschutzgesetz ruft Geldstrafen bis zu 50.000 € im Falle von Zuwiderhandlungen auf.

Auch die Bundesnaturschutzverordnung weist auf den Schutz aller heimischen Tierarten hin. Sie stellt „alle heimische Arten“ von Säugetieren unter besonderen Schutz. Zwar gibt es einige Ausnahmen, unter ihnen wird der Maulwurf jedoch nicht aufgeführt.

Auch in Österreich gibt es ein Bundesgesetz, das Tiere unter Schutz stellt. Das Bundesgesetz über den Schutz der Tiere verfügt in Paragraf 5: „Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.“ Des weiteren heißt es im Paragraf 6: „Es ist verboten, Tiere ohne vernünftigen Grund zu töten.“ Auch hier ist es also verboten, den Maulwürfe zu töten.

In der Schweiz wird vom Tierschutzgesetz Tierquälerei verboten. Jedoch steht der Maulwurf nicht unter Schutz und darf daher auch getötet werden. Eine kleine Gemeinde in Graubünden sorgte im März 2016 für Schlagzeilen, als sie eine Prämie für diejenigen auslobte, die die Vorderpfoten eines Maulwurfs zusammen mit dem Ort das Fangs vorzeigten.

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