Der Maulwurf

Der Maulwurf ist ein Säugetier, das zur Ordnung der Insektenfresser gehört. Diese Ordnung umfasst relativ kleine Säugetiere, die über ein Gebiss verfügen, das für eine räuberische Lebensweise geeignet ist.

Das Skelett eines Maulwurfs
Das Skelett eines Maulwurfs

 

Innerhalb des Feldes der Biosystematik hat es viele Diskussionen um diese Ordnungsbezeichnung gegeben. Entgegen anderen Ordnungsbezeichnungen gibt es auch keine eindeutigen Merkmale, welche die Insektenfresser von anderen Säugetieren unterscheiden. Die Ordnung der Insektenfresser umfasst neben der Familie der Maulwürfe auch Spitzmäuse, Schlitzrüssler (die ausschließlich in der Karibik beheimatet sind) und Igel.

Die Familie der Maulwürfe umfasst 35 Arten, die in Nordamerika, Asien und Europa beheimatet sind. Der einzige Vertreter dieser Familie, welcher in Mitteleuropa vorkommt, wird Europäischer Maulwurf (wissenschaftlicher Name Talpa europaea) genannt.

Die Merkmale des Europäischen Maulwurfs

Wie alle Mitglieder seiner Familie ist der Körperbau beim europäischen Maulwurf so ausgeprägt, dass er für das Leben unter der Erde ideal geeignet ist.

Der Körper

Der Rumpf des Maulwurfs ist zylindrisch, lässt damit an eine Walze denken. Er ist überzogen mit grauen Wollhaaren. Diese Haare sind sehr keratin-haltig, etwas gekräuselt und haben kein Haarmark. Sie lassen sich mit den weichen Flaumhaaren des Menschen vergleichen. Bei den meisten Säugetieren besteht das Fell aus Woll- und Deckhaaren, wobei die letzteren dicker sind.

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Der Maulwurf hat einen gedrungenen Körper mit Wollhaaren

 

Die Fellfarbe beim Maulwurf ist üblicherweise grau. Es gibt jedoch individuelle Färbungen, einige Exemplare können weiß-grau aussehen, während andere ein fast schwarzes Fell haben. Wie bei anderen Säugetieren kann auch beim Maulwurf Albinismus auftreten, weshalb sehr selten auch gänzlich weiße Maulwürfe vorkommen.

Maulwürfe können, von Kopf zum Rumpf gemessen, 10 bis 17 Zentimeter lang werden. Der Schwanz erreicht eine Länge von bis zu 4,5 cm. Ein ausgewachsenes Tier wiegt zwischen 60 und 120 Gramm.

Während der spitz zulaufende Kopf, der kurze Hals und der Körper mit Fell überzogen sind, besitzt der Schwanz nur eine spärliche Behaarung, die den Schnurrhaaren von Katzen ähnelt und so vor allem zum Abtasten der Umgebung dient.

Maulwürfe verfügen über ein Gelenk zwischen Oberarm und Schlüsselbein, wodurch die Drehung des Oberarms, die zum Graben eingesetzt wird, möglich gemacht wird.

Die Gliedmaßen

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Des Maulwurfs Vordergliedmaßen sind Grabewerkzeuge

 

Maulwürfe verfügen über Vordergliedmaßen, die vollständig als Grabewerkzeuge ausgebildet sind. Die Hände sind nach außen gedreht, sodass die Handinnenfläche vom Körper weg zeigt. Die Form der Hände erinnert an eine Schaufel, was auch daran liegt, dass Maulwürfe einen zusätzlichen sichelförmigen Knochen haben, der das Graben erleichtert. Die Position der Arme liegt weit vor dem Brustkorb und damit auf Kopfhöhe.

Die Hinterbeine des Maulwurfs haben ebenfalls fünf Zehen. Die Gliedmaßen sind fleischfarben und verfügen über nahezu keine Haare.

Der Kopf

Wie bei vielen Vertretern der Insektenfresser ist auch beim Maulwurf der Kopf lang und flach. Er verläuft zur Schnauze spitz zu. Die Augen liegen im Fell verborgen. Es ist nicht abschließend geklärt, wie stark die Sehkraft tatsächlich ist. Vermutlich dienen die Augen jedoch lediglich der Unterscheidung zwischen hell und dunkel. Über Ohrmuscheln verfügt der Maulwurf nicht.

Maulwurf Kopf
Der Kopf des Maulwurfs ist lang und flach, mit spitz zulaufender Schnauze

 

Zum Tasten hat er lange so genannte Tasthaare im Gesicht, wie sie auch bei anderen Säugetieren vorkommen. Die lange Schnauze ist sehr beweglich. An der Nase tun viele Tastsinneszellen ihren Dienst, die sehr empfindlich sind. Der Tübinger Biologe Theodor Eimer stellte im 19. Jahrhundert fest, dass Maulwürfe mit diesen Zellen nicht nur mechanische Reize, d.h. Berührungen, sondern darüber hinaus auch elektrische Impulse wahrnehmen können. Diese Organe werden deshalb auch Eimer'sches Organ genannt. Die Wahrnehmung der elektrischen Reize helfen dem Maulwurf bei der Jagd, da sie bei Muskelbewegungen seiner Beutetiere auftreten.

Die Zähne

Der europäische Maulwurf verfügt, wie einige Verwandte auch, über 44 Zähne. Die Anzahl der Zähne entspricht damit dem Standard für höhere Säugetiere, von dem (wie bei Standards üblich) viele Arten abweichen.

Gebiß Maulwurf
Der Maulwurf hat 44 Zähne

 

Die Zähne sind beim Maulwurf gleichmäßig verteilt. Pro Kieferhälfte sind drei Schneidezähne, ein Eckzahn und sieben Backenzähne vorhanden. Die Backenzähne werden noch einmal in Vormahl- (Prämolare) und Mahlzähne (Molare) unterschieden. Von ersteren besitzt der Maulwurf vier, von letzteren drei Exemplare.

Die Zähne habe spitze Höcker und scharfe Kanten und sind damit für die fleischliche Ernährung bestens geeignet.

Organe

Aufgrund seiner Ernährung verfügt der Maulwurf über ein simples Verdauungssystem. Ein Blinddarm existiert nicht, der Darm ist röhrenförmig.

Wegen des geringen Sauerstoffanteils der Luft in den Gängen unter Erde weist das Blut einen erhöhten Hämoglobinwert auf.

Lebensraum

Der Europäische Maulwurf kommt auf der britischen Insel (ausgenommen Irland) ebenso wie in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas vor. Sein Verbreitungsgebiet reicht weit nach Osten bis nach Sibirien in die Gegend von Novosibirsk.

Lebensraum des Maulwurfs in Europa

Sein bevorzugtes Klima findet er in der gemäßigten Klimazone, weshalb er in den kühleren Gegenden, z.B. Skandinavien, nicht anzutreffen ist. Zu warm darf es für ihn jedoch auch nicht sein. So ist er auf der iberischen Halbinsel nur am Nordrand, in der Gegend der Pyrenäen, zu finden.Auch in Italien und Griechenland ist er nur in nördlichen Landesteilen zu finden. Maulwurfshügel finden sich im Mittelmeerraum dennoch, sie werden von Artverwandten aufgehäuft.

Der Europäische Maulwurf fühlt sich in nicht zu trockenen Böden am Wohlsten. Diese findet er in Wiesen, Wälder und auch im Kulturland. Auch in den Alpen ist er zu finden. Bis ca. 2.400 m Höhe hat man auch auf der Alm mit Maulwurfshügeln zu rechnen.

Lebensweise des Maulwurfs

Das Graben

Der Maulwurf verbringt einen Großteil seines Lebens unter der Erde. Dort wird er geboren, aufgezogen und sucht sich seine Nahrung. Sein Revier besteht aus einem System von Gängen, das er grabenderweise anlegt. Viele dieser Gänge befinden sich knapp unter der Erdoberfläche. Es können sich jedoch Teile des Tunnelsystems in bis zu einem Meter Tiefe befinden.

Maulwurf gräbt Maulwurfshügel
Der Maulwurf gräbt einen Maulwurfshügel

 

Die überschüssige Erde bringt der Maulwurf an die Oberfläche, wodurch die Maulwurfshügel entstehen. Weil die Gänge nicht senkrecht zur Erdoberfläche verlaufen, sondern schräg nach oben führen, befindet sich der Ausgang des Grabensystems nicht im Zentrum des Maulwurfshügels, sondern ca. 15 cm daneben. Wenn das Erdreich sehr locker ist, fällt nicht viel Aushub an. Größere Maulwurfshügel lassen also auf festere Erde schließen.

Ein Großteil der Gänge, die ein Maulwurf unter der Erde anlegt, befindet sich in 10 bis 20 cm Tiefe. Einige liegen auch näher an der Grasnarbe, aber unterhalb der meisten Pflanzenwurzeln. Wenn Schnee liegt, kann es vorkommen, dass der Maulwurf einen Gang entlang der Grasnarbe anlegt. Bei Frost hält er sich jedoch eher in tieferen Bodenschichten, bei ca. 60 cm, auf. Während er sich im Winter in diese Tiefen zurückzieht, um sich vor Frost zu schützen, tut er es bei extremer Hitze im Sommer aus dem entgegengesetzten Grund: Im Sommer sind tiefer liegende Erdschichten kühler als die oberflächennahen.

Schaubild Maulwurfsbau
erschienen in „Illustrierter Leitfaden der Naturgeschichte des Thierreiches, 1876“, Originator: T. F. Zimmermann

 

Beim Graben kann der Maulwurf, je nachdem wie locker oder fest das Erdreich im betreffenden Bereich ist, bis zum 7 Meter pro Stunde vorankommen. Durch bereits angelegte Gänge kann er sich in der Geschwindigkeit eines spazierenden Menschen (4 km/h) fortbewegen.

Die meisten der Gänge, die der Maulwurf anlegt, gelten als so genannte Nahrungsgänge. Diese durchläuft er, wie der Name vermuten lässt, auf der Suche nach Beute. Sie verlaufen meist kreisförmig. Das Verbindungsstück zwischen allen Gängen ist die Nestkammer, die meist etwas tiefer liegt. Die Tiefe des Nests hängt neben dem Grundwasser auch von der Temperatur ab. Im Winter werden sie weiter nach unten verlegt oder mit Erdhaufen bedeckt. Die besonders beeindruckenden Maulwurfshügel, auch als „Burgen“ bekannt, entstehen so.

In der Nestkammer ruht sich der Maulwurf während seiner Schlafphasen aus, zieht seine Jungen auf und legt Nahrungsvorräte an. Da auch ein Maulwurf es gern bequem hat, wird die Nestkammer mit Gras und Laub gepolstert. Meist verfügt ein Gangsystem über ein Hauptnest und mehrere Ausweichnester.

Aktivtität

Maulwürfe sind nicht explizit Tag- oder Nachtaktiv, wie viele andere kleine Säugetiere. Vielmehr sind sie, wie viele unter der Erde lebenden Säugetiere, sowohl am Tag als auch in der Nacht unterwegs, um Nahrung zu suchen. Der Tag gliedert sich beim Maulwurf in drei Wach- und drei Schlafphasen. Die aktiven Abschnitte des Tages liegen grob gesprochen vormittags, nachmittags und um Mitternacht. Jede Aktivphase dauert ca. 4 bis 5 Stunden.

Einen Winterschlaf kennen Maulwürfe nicht. Um während der kalten Jahreszeit genug Nahrung zu bekommen, findet die Verlagerung der Aktivitäten in tiefere Bodenschichten. Darüber hinaus legen sie Vorräte in ihren Nestkammern an.

Sozialverhalten

Wie viele Vertreter der Insektenfresser ist der Maulwurf ein Einzelgänger. Außer während der Paarungszeit im Frühjahr geht er seinen Artgenossen aus dem Weg. Gänge und Nester werden mit einem Drüsensekret markiert. Artgenossen werden so auf das Revier aufmerksam gemacht. Das Revier ist territorial, d.h. auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt. Dieses nimmt im Durchschnitt ca. 2.000 m² ein. Während der Paarungszeit erweitern die männlichen Tiere ihr Revier beträchtlich, sodass es mit dem eines Weibchens zu Überlappungen kommt.

Ernährung

Wie seine Ordnungsbezeichnung (zur Erinnerung: Maulwürfe zählen zu den Insektenfressern) bereits vermuten lässt, ernährt sich der Maulwurf ausschließlich tierisch. Den Großteil stellen dabei tatsächlich Insekten, wie etwa Käfer, Mücken, Fliegen und deren Larven. Aber auch Regenwürmer machen einen großen Anteil auf der Speisekarte aus, besonders im Winter. Dann legen Maulwürfe einen Vorrat von Regenwürmern an. Die Würmer werden durch Abbiss der Körperenden bewegungsunfähig gemacht, aber nicht getötet. In kleinerem Umfang gehören auch Wirbeltiere zur Nahrung des Maulwurfs.

Wie der Maulwurf an seine Nahrung gelangt, hängt von der Beschaffenheit des Bodens und der Erfahrung des betreffenden Tiers ab. Drei Methoden stehen zur Verfügung:

  • Durchforsten der Erde (Graben)
  • Suche in bestehenden Gängen
  • Suche an der Erdoberfläche

Maulwürfe haben, wie viele kleine Säugetiere, eine sehr hohe Stoffwechselrate. Sie müssen daher viel Nahrung zu sich nehmen und überleben bereits einen Tag ohne Nahrungsaufnahme nicht. Täglich verzehrt ein Maulwurf fast die Hälfte seines eigenen Gewichts und bringt es so im Jahr auf ca. 25 kg Würmer und Insekten.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit von Maulwürfen fällt in den Frühling, meist in die Monate März bis April. Selten kommt es vor, dass im Jahr zwei Würfe stattfinden. Während der Paarungszeit kann es vorkommen, dass sich zwei Männchen um die Gunst des Weibchens streiten und Kampfhandlungen vollführen. Der Paarungsakt kann sowohl in den Gängen unter der Erde als auch an der Oberfläche vollzogen werden.

Nach einer Tragzeit von vier Wochen bringt das Maulwurfweibchen durchschnittlich 3 bis 4 Jungtiere zur Welt. Die Würfe fallen in die Zeit von Ende April bis Anfang Juni. Die Jungtiere sind anfangs nicht größer als eine Bohne und sowohl blind als auch nackt. Nach drei Wochen setzt die Sehkraft ein. Die Mutter säugt die Jungen ca. 4 bis 6 Wochen, nach ca. zwei Monaten gilt die Nestlingszeit als beendet und die Jungtiere suchen sich ihr eigenes Revier. Die Geschlechtsreife stellt sich in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres ein, sodass die Tiere meist schon in der ersten Paarungszeit nach ihrer Geburt selbst an der Fortpflanzung mitwirken.

Lebenserwartung und Feinde

Es existiert ein theoretisches Höchstalter von fünf Jahren. Tatsächlich zeigt sich jedoch, dass ca. 70% einer Population ein Jahr alt oder jünger sind. Nur selten werden Tiere nachgewiesen, die 3 Jahre oder älter sind. Besonders nach dem Verlassen des Nests sterben viele Jungtiere. Diese Faktoren verhindern das Erreichen des theoretisch möglichen Höchstalters:

  • der Mensch: obwohl es verboten ist, töten Menschen immer wieder Maulwürfe aus Ärger über deren Bauwerke; auch die tierischen Haushaltsmitglieder (Hunde, Katzen) sorgen hin und wieder für das hobbygärtnerfreundliche Frühableben
  • Natureinflüsse: Bodenfrost und Hochwässer können die Lebensbedingungen in einem unterirdischen Bau erheblich erschweren
  • Rivalität: mitunter sterben Maulwürfe auch durch die Hand von Artgenossen (auch das haben sie mit den meisten Säugetieren gemein)
  • Fressfeinde: viele Raubvögel haben den Maufwurf auf dem Speiseplan; Fuchs, Iltis und andere Marder gönnen sich hin und wieder Maulwurf; selbst Wildschweine verschmähen den kleinen Säuger nicht

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